Gut Ding will Weile haben…

…keine Frage, aber bei 2 Stunden an der Grenze zu stehen um wieder von Saudi nach Bahrain einzureisen, vergeht einem echt die Lust (nicht, dass es bei einer Stunde Spaß machen würde…)!

Da steht man also mit Hunderten anderen zusammen und wartet und zwar nicht, weil das Ein- / Ausreise-Prozedere so aufwändig wäre, sondern schlicht und ergreifend, weil die Grenze immer chronisch unterbesetzt ist und die paar anwesenden Beamten alle Zeit der Welt haben. Da können die Autos um einen herum noch so laut hupen (und das machen die Saudis bei jeder noch so unpassenden Gelegenheit gerne und ausgiebig…hat ihnen wohl noch keiner verraten, dass das nicht wirklich was bringt 😉 ), schneller arbeiten wird hier keiner.

Also was passiert da an der Grenze (im Schneckentempo), was morgens früh mit 15-30 Minuten aber auch recht flott gehen kann?

  • 1. Man fährt zur ersten Schranke und bekommt ein „Custom’s Paper“. Keine Ahnung was da draufsteht (war wohl kein Geld für einen Englischübersetzer mehr da), aber das Zettelchen braucht man nachher beim Zoll. Merke hier: Langsam an die Schranke ranfahren, denn der motivierte Beamte muss das Kennzeichen eintippen! Wer es da zu eilig hat, darf erst wieder zurücksetzen…viel Spaß wenn hintendran Stoßstange an Stoßstange die Nächsten warten.
  • 2. Ausreise, sprich Pass hinhalten (und bei der Ausreise aus Saudi auch noch das Zollzettelchen, auf das man noch einen schicken Stempel bekommt). Der Beamte tippt irgendwie (planlos) auf seiner PC-Tastatur rum und gibt einem irgendwann den Pass samt neuem Stempel drinnen zurück.
  • 3. ABM-Schranke (= Arbeitsbeschaffungsmaßnahme): Da sitzt ein Beamter (zu Stoßzeiten sogar auch mal zwei) und alles was man machen muss ist denen das Zollzettelchen hinhalten. Dann winken sie freundlich und man fährt zur nächsten Schranke. Man stelle sich mal vor, die beiden würden nicht da, sondern an der Passkontrolle sitzen, aber nein…dann würde das ganze Prozedere ja beschleunigt. Also lieber den gechillten Job als Zettelgucker anstatt zu stempeln…
  • 4. Einreise, sprich wieder Pass hinhalten und bei der Einreise nach Bahrain auch noch für das Visum zahlen. Auch hier merkt man wieder, dass sie bei der Grenzposten-Errichtung nicht arg weit gedacht haben: An der ersten Schranke haben sie Drucker um die Custom’s Papers zu drucken, aber hier nun haben sie keine, sprich: Quittung is‘ nicht…außer man fährt an die Seite ran, steigt aus dem Auto aus und holt sich drinnen in der Polizeistation sein Visum samt Quittung ab. Aber man kann sich ja vorstellen wieviele Lust haben damit auch nochmal Zeit zu verbraten 😉 .
  • 5. Zollkontrolle: Auch sehr witzig hier…Man rollt erst mal langsam zum ersten Beamten hin (der es sich gerne auf einem Stuhl bequem macht), der einem dann eine Nummer zuruft: Die Halteplatznummer zur Kontrolle. Dort dann angekommen, stellt man das Auto ab, öffnet den Kofferraum, läuft zum nächststehenden Beamten (der von sich aus sich nie bewegen würde) und bekommt eine Unterschrift und einen Stempel. Eigentlich könnte man sich das Ganze sparen, denn in den Kofferraum oder auf die Rücksitze hat noch nie einer geschaut. Das höchste der Gefühle war einmal nach Gepäck gefragt zu werden. Bei der Antwort „zwei Laptoptaschen“ war die Sache aber schon bereits wieder gegessen.
  • 6. Endstation: Das achso wichtige Customer’s Paper, samt dem kaum erkennbaren Stempel (Stempelkissen ohne Tinte sind schon was feines ^^) und als Unterschrift zu interpretierenden Striche, wird bei dem letzten hoch motivierten Beamten abgegeben. Noch kurz einen Blick in sein Häuschen geworfen (immer einen Blick wert…der eine schaut Fußball-WM auf einem kleinen Fernseher, ein andere telefoniert, der dritte raucht und der vierte schläft halb ein…) und….man hat es endlich geschafft!!!

Habe gerade nur ein Bild von der Grenze zur Hand (und da ist gerade wenig los):

Leere Grenze (wenn es doch nur immer so wäre…)

Mögliche Spaßbremsen:

  • Der Beamte, der dir eigentlich einen Zollkontroll-Halteplatz zuweisen sollte, fängt ein Schwätzchen mit einem Kollegen an, der gerade zufällig vorbeikommt. Anstatt dann nebenher weiterhin die Autos auf die Plätze zu verteilen, dreht er sich demonstrativ weg und plaudert erst mal 5 (!!!) Minuten…ohne mit der Wimper zu zucken (okay vielleicht doch…man sieht es ja nicht, da er sich weggedreht hat -_- ). Dass es sich hintendran derweil bis zur Schranke davor zurückstaut stört ihn nur unwesentlich. Achja: Gehupt wird auch, aber bringen tut das bekanntermasen nichts 😀 .
  • Du freust dich nun endlich ganz vorne in der Schlange bei der Passkontrolle zu stehen und überschlägst im Kopf schon, wann du dann wohl im Apartment sein könntest, da nimmt der Beamte gerade noch deinen Pass entgegen, legt ihn drinnen auf den Tisch und geht!! Wenn jetzt die Ablösung schon dastände, kein Problem, aber es passiert ……….. nichts …………… immer noch nichts …………. *hup-hup-hinter-dir* ……….. nada ………….. niente ……..
    Du stehst da 20(!!!) Minuten bis ein paar Beamte auftauchen. Aber natürlich denkt keiner daran in das Häuschen zu gehen und weiterzumachen, sondern es wird geplaudert und mit ein paar Saudis geredet, die schon durch die Schranke durch sind, aber dahinter angehalten haben und nun wieder zu den Kontrollhäuschen zurücklaufen. Wenn man jetzt nicht ganz vorne stehen würde (und somit kein Platz zum Türaufmachen hat, da man ja nahe an das Häuschen ranfährt um den Pass rauszureichen), könnte man ja mal aussteigen…aber auch das geht nicht. Am Ende schnappt sich dann irgendwann irgendein vorbeikommender Beamter deinen Pass aus der Hütte und bringt ihn einem Kollegen. Man quetscht sich also doch schnell irgendwie aus dem Auto und rennt ihm hinterher, denn das Schlimsste was einem hier unten passieren kann, ist seinen Pass zu verlieren. Der ist hier sowas wie die Lebensversicherung, gleich gefolgt von dem Unternehmensausweis, des Kunden für den wir arbeiten, aber das ist eine andere Geschichte…
  • Du hast den Jackpot gezogen und die Beamten kontrollieren doch mal einen am Zoll und zwar wen? Genau, ausgerechnet den im Auto vor dir. Und da du dir die Zolleinfahrt ausgesucht hast, wo es nur einspurig ist, heißt das für dich: Warten. Und natürlich wird hier (wenn überhaupt) nur kontrolliert, wenn viel los ist und man von dem ganzen Warten eh schon gefrustet ist -_- .

Alles in allem also alles super durchdacht und effizient gestaltet…genau wie der Rest hier bei den Arabern. Aber damit muss man halt leben hier…hört man sich halt zum zweiten oder dritten Mal die WorldNews auf BBC im Radio an. Und so lange wie man da steht, gibt es zu jeder Nachrichtenausgabe etwas neues zu berichten 😀 .

So…der Eintrag hier ist bereits viel zu lang geworden, aber das musste mal gesagt werden 😉 . Versuche mich in Zukunft kürzer zu fassen.

Bis die Tage
spacegaier

Dieser Beitrag wurde unter MiddleEast abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten auf Gut Ding will Weile haben…

  1. Patrick sagt:

    Nein, dein Eintrag ist nicht zu lang. War schön zu lesen.
    Aber ich glaub ich kann dich besser verstehen, wenn du nun erzählst, dass du 2 h an der Grenze warten musstest.

  2. Rouven sagt:

    Haha das klingt ja lustig^^.

    Würde hier in China an Schaltern eher nicht Papieren, dafür veranstalten die bei der kleinsten Kleinigkeit gleich einen Papierkrieg. ABM gibts nur an der Baustelle, wie man es aus Bildern kennt, einer hämmert, 3-5 schauen aufmerksam zu (oder schlafen).#
    Wuhu es regnet endlich mal richtig in Peking :D!

    So genug von mir gelabert, ich find deine Einträge toll und freu mich auf den nächsten^^!

Schreibe einen Kommentar